Heidelberg

Wer spontan ist, kommt weiter

Was sind Ihre Schwächen? Diese Frage war einmal. Heute ist im Vorstellungsgespräch Schlagfertigkeit gefragt. Bei der SRH Berufliche Rehabilitation in Heidelberg werden Menschen gezielt darauf vorbereitet.

„Sie wirken so nervös, möchten Sie vielleicht ein Glas Sekt?“ Sekt, im Vorstellungsgespräch? „Damit will Sie der Gesprächspartner bloß aus dem Konzept bringen und sehen, ob Sie souverän reagieren. Einfache Antwort: Nein, danke, ich bleibe bei Wasser“, erklärt Integrationscoach Dr. Christine Koch-Hallas.

Die Politikwissenschaftlerin und Germanistin berät Menschen, die sich nach Jahren im Beruf neu orientieren, etwa wegen einer Krankheit oder einem Unfall. Die Betroffenen absolvieren dafür eine so genannte Anpassungsqualifizierung (APQ). Sie vermittelt kaufmännische Grundlagen, Projektarbeiten bereiten auf den Arbeitsalltag vor. Die APQ hat das Bildungsunternehmen SRH Berufliche Rehabilitation zusammen mit der IHK Rhein-Neckar entwickelt. Ein entscheidender Baustein ist das Bewerbungstraining.

Spontan vor einer Gruppe zu sprechen werde in vielen Berufen selten verlangt, aber umso mehr im Vorstellungsgespräch, sagt Dr. Koch-Hallas. „Die gute Nachricht: Spontan zu sein lässt sich üben – indem Sie lernen, zu erzählen.“ So müssen die Teilnehmer aus sechs Begriffen eine kurze, schlüssige Geschichte entwickeln.

„Das braucht Zeit. Aber wenn sie später ihre Erfahrungen und Stärken im Vorstellungsgespräch selbst präsentieren müssen, hat sich der Aufwand gelohnt.“ Um die Spreu vom Weizen zu trennen, werde heute nach den Schwächen in einem größeren Zusammenhang gefragt, weniger plakativ als viel mehr subtil.

„Warum sollten wir Sie nicht einstellen?“ Eine Frage, die geradezu einlädt, sie spontan umzudrehen. „Warum sollten Sie mich einstellen? Was kann ich gut? Diese Eigenschaften kann man zur Vorbereitung notieren und dazu eine Erzählung formulieren“, sagt die Integrationstrainerin.

Die Erfahrung zeigt: Gerade das fällt vielen schwer, die lange im Beruf waren. Dr. Koch-Hallas wünscht sich hier mehr Feedback-Kultur in Unternehmen. Wer gesagt bekomme, was er gut gemacht hat, habe ein besseres Bild von den eigenen Fähigkeiten. Und: Nur wer weiß, wo er dazulernen kann, entwickelt sich weiter.

Und wenn man im Vorstellungsgespräch tatsächlich nervös ist? Generell gilt: Je besser der Einstieg klappt, umso sicherer läuft das Gespräch. Deshalb sollte man eine kurze Präsentation von sich und den beruflichen Erfahrungen vorbereiten. „Wenn dieser Inhalt sitzt, ist es schon die halbe Miete. Dann ist die Atmosphäre entspannt und jeder kann sich auf den Austausch konzentrieren. Das Wichtigste ist, zu erkennen: Ich habe dem Unternehmen etwas zu bieten.“

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