Heidelberg

Techniker mit Fingerspitzengefühl

Die Maschine erfasst digital in 3D kleinste Unebenheiten. (SRH Berufliche Rehabilitation)

Der Technikbranche fehlt Nachwuchs, ein Studium scheint vielen attraktiver als eine Ausbildung. Dabei gäbe es lohnende Alternativen, zum Beispiel den Qualitätsfachmann. Die SRH Berufliche Rehabilitation in Heidelberg bildet diese Experten in digitaler 3D-Messtechnik aus.

Und wie geht es weiter? Das fragen sich in den nächsten Wochen 1,9 Millionen Schüler, die ihren Abschluss in der Tasche haben. Offenbar schwindet bei vielen die Lust auf eine Ausbildung: Allein in technischen Berufen sind mehr als 200.000 Stellen unbesetzt, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft – ein neuer Höchststand. Dabei sind viele beruflichen Möglichkeiten kaum bekannt – wie die, Qualitätsfachmann zu werden.

Qualitätsfachleute stellen sicher, dass Teile in der Industrie exakt nach Vorgabe produziert werden. Denn kleinste Abweichungen können eine große Wirkung haben, etwa bei Autos: Eine Unwucht, mit bloßem Auge nicht zu sehen, sorgt vielleicht dafür, dass der Motor nicht richtig läuft. Deshalb braucht es Experten, die Abweichungen im Mikrometerbereich erkennen.

Qualitätsfachleute nutzen dafür High-Tech-Messgeräte: Ein Tastkopf registriert dreidimensional kleinste Unebenheiten von bis zu sechs Tausendstel Millimeter, zum Beispiel an den Durchmessern von Bohrungen oder bei geometrischen Eigenschaften kompletter Bauteile. Die Mess-Software vergleicht die erfassten Werte direkt mit den Vorgaben aus den CAD-Datensätzen oder der Technischen Zeichnung.

„Von der Vorentwicklung bis zur Serienproduktion sind alle Schritte digital. So lassen sich Fehler viel früher feststellen und korrigieren. Das spart letztlich mehr Geld als die Aufwendungen für die Qualitätssicherung, die Technik kommt deshalb in immer mehr Unternehmen zum Einsatz“, erklärt Sebastian Gembardt, Leiter des technischen Bildungszentrums der SRH Berufliche Rehabilitation in Heidelberg. Hier lernen Menschen nach Unfall oder Krankheit einen neuen Beruf. Für eine optimale Ausbildung hat das Unternehmen 113.000 Euro in die neueste 3D-Koodinatenmessmaschine investiert.

Denn der Bedarf an Fachkräften, die sich mit der neuen Technik auskennen und solche Maschinen programmieren können, ist groß. Dies ist eine Chance für alle, die sich spezialisieren wollen. Oder sich neu orientieren müssen. „Industriemechaniker oder Anlagentechniker können hier ihre Kenntnisse aus Fertigung, Montage und Service anwenden“, sagt Gembardt.

Die Teilnehmer in der Ausbildung haben mit ihrem Know-how bereits ihre Praktikumsunternehmen überzeugt. Ihre berufliche Zukunft ist gesichert – und der Nachwuchs für die Unternehmen auch.

Bild oder PDF-Datei zum Download: