Heilbronn

Gewinn für beide Seiten

Read Alkhoury arbeitet seit September in der Heilbronner Kanzlei SRF Sickenberger Rehmet Frauenknecht (Foto: Joel Micah Miller)

Ein Drittel aller Unternehmen findet keine Auszubildenden. Das bietet Chancen für Geflüchtete, doch Bewerbungen in einer fremden Sprache sind schwierig. Ein Programm in Heilbronn unterstützt dabei.

Immer weniger junge Leute entscheiden sich für eine Ausbildung: Dieses Jahr kann jedes dritte Unternehmen in Deutschland nicht alle Plätze besetzen, zeigt eine Studie der Deutschen Industrie- und Handelskammer – ein neuer Höchststand. Eine Heilbronner Kanzlei hatte dagegen Erfolg: Read Alkhoury aus Syrien macht dort eine Ausbildung zum Rechtsanwaltsfachangestellten. Ohne Unterstützung hätten der 22-Jährige und sein Arbeitgeber aber nicht zueinandergefunden.

Im Gespräch mit Alkhoury wird sofort klar: Dieser junge Mann will vorankommen. Nach drei Jahren in Deutschland kann er die Sprache nahezu fließend, liest viel, diskutiert über Politik, Religion, Philosophie. In Syrien hatte er ein Jurastudium begonnen, 2015 musste er vor dem Krieg fliehen. Mit einer Ausbildung zum Rechtsanwaltsfachangestellten wollte er schnell Fuß fassen. Doch auf Bewerbungen erhielt er nur Absagen.

Seine Beraterin beim Jobcenter Heilbronn empfahl ihm das Programm „Statusfeststellung für Asylbewerber“ (SFA) der SRH Business Academy. Das Weiterbildungsunternehmen unterstützt Geflüchtete dabei, eine berufliche Perspektive zu finden, die zu ihren Kenntnissen und Fähigkeiten passt. Ein Team aus Berufspädagogen, Sozialarbeitern, Psychologen und Medizinern ist damit bundesweit im Auftrag der Jobcenter unterwegs. In der Nachbetreuung SFA-N unterstützen Trainer gezielt bei der Jobsuche. 37 Teilnehmer haben im letzten Jahr das Programm besucht, gut die Hälfte fand wie Read Alkhoury direkt eine Stelle.

„Wir haben gemeinsam die Bewerbungsunterlagen sprachlich und inhaltlich überarbeitet, dann Vorstellungsgespräche geübt“, sagt Trainerin Lara Knop. Kurz darauf kam die Einladung der Heilbronner Kanzlei.

Schon vor Beginn der Ausbildung half Alkhoury in der Kanzlei, pflegte Akten, bearbeitete Korrespondenz. „Alle sind sehr freundlich und beantworten geduldig meine Fragen. Juristen sprechen ein anderes Deutsch“, schmunzelt er.

Zwölf Wochen dauert das SFA-N. „Um in einer fremden Sprache in dieser kurzen Zeit beruflich einzusteigen, ist eine hohe Motivation entscheidend“, sagt Lara Knop. Alkhoury hatte die ganze Zeit sein Ziel fest im Blick: „Ich möchte endlich in Freiheit leben.“ Die Ausbildung ist dafür der erste Schritt.

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