Karlsbad-Langensteinbach

Zurück zu den Wurzeln

Zum Welttag der seelischen Gesundheit (10.10.): Bei jungen Erwachsenen ist das Risiko für psychische Erkrankungen besonders hoch. Erwartungsdruck und Veränderungen fordern ihren Tribut. Jonathan Schäfer hat es erlebt.

Körperliche Veränderungen, Stress in der Schule, sich erfolgreich abnabeln: In der Jugend steigt der seelische Druck. Nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts liegt für 18- bis 34-Jährige die Wahrscheinlichkeit, psychisch krank zu werden, bei 45 Prozent. Darauf macht der Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober aufmerksam.

Jonathan Schäfer (Name geändert) kennt das Gefühl, wenn plötzlich alles anders ist: Als Kind tüftelte er noch stundenlang an seiner Spielzeug-Eisenbahn, bis sie perfekt über die Gleise huschte. Und er baute Modellautos. Doch dann ist die Kindheit vorbei, der Ernst des Lebens beginnt. „Irgendwann habe ich wohl diese Hobbys aus den Augen verloren“, sagt Jonathan Schäfer heute. Ruhig und abgeklärt klingt der 26-Jährige dabei. Obwohl erst eine Depression ihn zu dieser Erkenntnis brachte.

„Nach der Schule wusste ich nicht genau, was ich machen will und kam auf ein Studium zur Forschung an künstlicher Intelligenz.“ Ein spannendes Thema, doch das Büffeln ohne klare Ergebnisse, der Stress und andere Belastungen wuchsen Jonathan Schäfer über den Kopf. Sein Studium musste er abbrechen und drei Monate in die Klinik. Wie sollte es ohne Ausbildung weitergehen?

Seine Ärzte empfahlen ihm die SRH Rehabilitationseinrichtung für Psychisch Kranke (RPK) in Karlsbad-Langensteinbach. Hier bereiten sich Menschen nach der Klinik auf den beruflichen Neustart vor. „Sie sind durch ihre psychischen Probleme und auch soziale Folgen beeinträchtigt. Die Rückkehr in ein normales Leben fällt dann oft schwer. Wichtig ist, wieder Selbstvertrauen aufzubauen“, sagt der ärztliche Leiter, Dr. Gustav Wirtz.

Die RPK kombiniert Gesprächs- oder Ergotherapie mit einem Training für den Beruf. In der Metallwerkstatt entdeckte Jonathan Schäfer seine Technik-Leidenschaft aus Kindertagen wieder. Im Beruflichen Bildungs- und Reha-Zentrum der SRH in Karlsbad konnte er direkt eine Ausbildung zum Industriemechaniker anschließen. „Je nahtloser der Übergang zwischen Therapie und beruflicher Vorbereitung abläuft, umso leichter fällt der Neuanfang. Kurze Wege sind dafür entscheidend“, sagt Dr. Wirtz. Der Erfolg gibt ihm Recht: Rund 70 Prozent der RPK-Teilnehmer gelingt der Weg zurück ins Arbeitsleben.

Jonathan Schäfer hat die ersten Schritte geschafft. „Mein technisches Talent war unter all den Erlebnissen verschüttet. Ich weiß jetzt, wie ich meine Ressourcen sinnvoll einteilen kann.“ Ausgleich bietet ihm die Musik, er spielt wieder Gitarre und Schlagzeug. In einem Praktikum hat er Kontakte geknüpft. Die Aussichten auf einen Arbeitsplatz sind gut. Stress und Veränderungen sind jetzt kein Problem mehr.

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