Bad Wimpfen

Training für die Blutbahn – Neue Wege mit der Herzhose

Natürlicher Bypass ohne OP – Das SRH Gesundheitszentrum Bad Wimpfen ist eine der wenigen Kliniken in Deutschland, die eine innovative Therapiemethode für Herzpatienten einsetzen.

 

Es gibt gute Neuigkeiten: Die Selbstheilungskräfte des Herzens sind viel besser als bisher angenommen wurde. Bislang gab es bei einer Gefäßverengung oder einem Verschluss oft nur die Möglichkeit einer invasiven Behandlung mit einem Kathetereingriff oder einer Bypass-Operation. Dabei werden dem Patienten meist gesunde Bein-Venen oder -Arterien entnommen und mit verschlossenen Gefäßen am Herzen ausgetauscht. Nun wurde festgestellt, dass der Körper mit der richtigen Unterstützung Einengungen oder Verschlüsse selbst umgehen und auf diese Weise natürliche Bypässe ausbilden kann. Damit ist es möglich, bei einigen Patienten eine aufwendige Operation zu vermeiden.

Diese Erkenntnis nutzen die Mediziner der Berliner Charité und der Medizinischen Hochschule Brandenburg. Sie haben für Menschen mit Arterienverengungen die sogenannte Herzhose® entwickelt. Das Prinzip basiert darauf, dass die feinen Nebengefäße des Herzens durch erhöhte Blutflußimpulse "trainiert" und zu größeren Blutleitern erweitert werden. Dieser Vorgang wird als Arteriogenese bezeichnet und bietet ein bisher unterschätztes Potenzial zur Selbstheilung, weiß PD Dr. Ivo Buschmann, Erfinder der Herzhose und Chefarzt der Hochschulklinik für Angiologie: „Mit Hilfe der Arteriogenese können wir uns biologische Bypässe legen."

Seit Anfang Mai 2015 ist die Herzhose am SRH Gesundheitszentrum Bad Wimpfen im Einsatz. Der Patient liegt entspannt auf einer Behandlungsliege und hat Manschetten um Unter- und Oberschenkel sowie Gesäß gewickelt, die sich im Rhythmus des Herzschlags stoßweise mit Luft füllen und das Blut aus dem Gefäßbett der Beine in Richtung Herz transportieren. Dr. Reinhard F. Lang, Chefarzt der Kardiologie am SRH Gesundheitszentrum Bad Wimpfen, ist überzeugt: „Das Verfahren ist sehr schonend und entlastet langfristig das Herz“. Jeder Patient erhält praktisch einen Maßanzug für seine Gefäße und wird nicht mit unnötig hohen Druckverfahren behandelt, wie es bei älteren Verfahren (EECP) der Fall ist.

Die Therapie wird für jeden Patienten individuell angepasst und findet unter ärztlicher Begleitung statt. Der optimale Behandlungsdruck wird über einen sogenannten Gefäßtacho, ein besonderes Ultraschallverfahren, ermittelt und im Therapieverlauf überwacht. Von dieser Methode profitieren insbesondere Menschen, die aufgrund gesundheitlicher und körperlicher Einschränkungen nicht in der Lage sind, Sport zu treiben. Der Patient empfindet die Therapie wie eine kräftige Massage und fühlt sich nach der Behandlung wie nach einem angenehmen Dauerlauf. In Deutschland wird die Herzhose außerhalb von Berlin und Brandenburg derzeit nur in Bad Wimpfen und Düsseldorf eingesetzt.

Bild: Dr. Reinhard F. Lang, Chefarzt Innere Medizin am SRH Gesundheitszentrum Bad Wimpfen, mit einer Patientin während der Behandlung mit der Herzhose.

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