SRH Gesundheitszentrum Bad Wimpfen

Kooperation statt Befehl und Gehorsam

Bad Wimpfen - Surrend lässt Pierre Reiter die Arbeitsplatte seines Schreibtischs hochfahren. Am liebsten arbeitet der neue Geschäftsführer des Gesundheitszentrums Stiftung Rehabilitation Heidelberg (SRH) im Stehen. "Ich bin meinem Vorgänger Volker Kull wirklich dankbar, dass er sich diesen höhenverstellbaren Schreibtisch angeschafft hat", sagt der 40-Jährige. Alles hat dort seinen Platz, akkurat liegen Hefte und Ordner nebeneinander. Zwölf Jahre bei der Bundeswehr haben ihre Spuren hinterlassen. "Ich bin sehr ordentlich", sagt der gebürtige Görlitzer, der derzeit seine Wahl-Heimat in München gefunden hat und damit liebäugelt, sich in der Region niederzulassen. Ein Wochenende in Jagsthausen mit seiner Partnerin hat den Entschluss bekräftigt. "Ich glaube, das ist hier genau das richtige Umfeld, um eine Familie zu gründen."

Gegensätze
Seit Januar ist seine Wirkungsstätte im Gesundheitszentrum Bad Wimpfen und der Akutklinik Neresheim im Ostalbkreis, beide gehören zur SRH-Stiftung. Auf den ersten Blick ist Pierre Reiter ein Mann, der kein Problem damit hat, scheinbare Gegensätze zu verbinden. Als ehemaliger Ausbildungsoffizier beim Geschwader Erding hat er auch beim Militär studiert − nicht etwa Luft- und Raumfahrttechnik oder Informatik, sondern: Erziehungswissenschaften. Nach der Wende war der gelernte Maschinist so begeistert vom System Bundeswehr, "dass ich unbedingt Offizier werden wollte". Und obwohl er bislang als Geschäftsführer eines ambulanten Rehazentrums in Mülheim 700 Kilometer per Flugzeug in die Heimat gependelt ist, hat er privat vom Rollfeld nicht die Nase voll. Nein, Reisen ist eines seiner liebsten Hobbys. Mögliche Ziele: "Alles, was nicht mit dem Auto zu erreichen ist."

Als es mit dem Medizinstudium bei der Bundeswehr, wie es ihm nach der Arbeit bei der Flugabwehrraketentruppe vorschwebte, wegen seines geburtenstarken Jahrgangs nicht klappte, sattelte er auf Sportmanagement um. Beim 4500 Mitglieder zählenden Münchner Verein EVS hat er als Geschäftsführer ein Sportzentrum aufgebaut. "Das ist das, was ich am besten kann, Dinge aufbauen und strukturieren." Reiter hat zudem den Master in Gesundheitsökonomie in der Tasche und beriet Ärzte bei der Existenzgründung.

In Bad Wimpfen geht es ihm darum, den Neu- und Ausbau der neurologischen Rehabilitation voranzutreiben. "Ziel ist es, den Baubeginn so früh wie möglich zu realisieren." Nach wie vor ist der erste Baggerbiss für Herbst 2013 angepeilt, fertig soll das rund 16 Millionen teure Bettenhaus im Oktober 2015 werden.

Die aktuellen Skandale in den SLK-Kliniken rund um Ärzte-Approbationen hätten keine Auswirkungen auf die Zusammenarbeit, sagt Reiter. Auch einen Patientenschwund aufgrund möglicher geringer Zuweisungen befürchtet er nicht. "Unabhängig von den Vorfällen darf man nicht die gesamte medizinische Qualität in Frage stellen."

Regeln
In Sachen Führungsstil hat er sich einiges abgeschaut beim Militär. "Klare Strukturen, hohe Transparenz und der kooperative Führungsstil haben mich geprägt. Für mich steht das Team im Vordergrund, ein Höchstmaß an Transparenz und Loyalität gegenüber Unternehmen und Mitarbeitern." In den Köpfen mancher Personaler spuke noch das Vorurteil von Befehl und Gehorsam als Maxime bei der Bundeswehr herum. Reiter winkt ab. "Das existiert seit 20 Jahren nicht mehr. Sicher muss es Regeln geben, die nachvollziehbar sind. Diese Regeln aufs zivile Leben heruntergebrochen, haben sich bislang nicht als fehlerhaft erwiesen."

Quelle: Petra Müller-Kromer, Heilbronner Stimme