SRH Gesundheitszentrum Bad Wimpfen

Ein Chef nimmt leise seinen Hut

"Mir ist schon wehmütig zumute. Ich hätte nicht gedacht, dass mir der Abschied so schwer fällt." Volker Kull, Geschäftsführer des Gesundheitszentrums Bad Wimpfen der Stiftung Rehabilitation Heidelberg (SRH) und des SRH-Fachkrankenhauses Neresheim im Neckar-Odenwaldkreis, nimmt nach sechs Jahren seinen Hut. Ohne großes Tamtam. "Ich bin still gekommen. Und ich will relativ still gehen." Der Grund für seinen beruflichen Wechsel: "Ich möchte näher an meiner Familie sein und in die alte Heimat zurück. Und ein bisschen zurücktreten." Die alte Heimat, das ist Südbaden, wo der 54-Jährige im Oktober als Geschäftsführer beim Reha-Klinikum Bad Säckingen beginnt.

Kommissarisch übernimmt dann in Bad Wimpfen Werner Stalla, Geschäftsführer der SRH Kliniken GmbH in Heidelberg, die Geschäfte bis Januar 2013. Verwaltungsleiterin Katrin Math managt das operative Geschäft im Gesundheitszentrum. Der endgültige Nachfolger Kulls steht noch nicht fest.

Kull absolviert die letzten Tage in seinem alten Büro im Bewusstsein, seine Arbeit hier in einem guten Ende geführt zu haben. "Ich hatte den klaren Auftrag, das Unternehmen zu stabilisieren. Beide Gesellschafter, die Stadt und die SRH, haben da sehr gut mitgezogen. Jetzt ist das Feld bestellt. Ich hinterlasse keine Baustelle.

Konsolidierung Helmut Nawratil hatte das Gesundheitszentrum 2005/2006 auf Kurs gebracht. Da war die Konsolidierungsphase noch längst nicht abgeschlossen. Als Kull begann, ächzte der Betrieb immer noch unter einer Schuldenlast aus der Kurkrise von 13,8 Millionen Euro. "Ich hatte schon etwas Bedenken, wie die Mitarbeiter es aufnehmen würden, dass nach einem Jahr schon wieder ein neuer Chef kommt. Aber ich wurde mit offenem Herzen und positiver Grundstimmung aufgenommen", erinnert sich der gelernte Kaufmann, der damals als Verwaltungsdirektor des 700 Betten zählenden Klinikums Bad Krozingen an den Neckar wechselte. Der Stand heute: "Wir schreiben schwarze Zahlen. SRH investiert im kommenden Jahr bis zu 16 Millionen Euro in den Neubau der Neurologie." Ein erster Baustein hin zum Gesamtkonzept wurde 2007/2008 mit der Sanierung des Therapiezentrums gelegt. 2,3 Millionen Euro investierte der Konzern damals.

2009 begannen die Überlegungen zum Aufbau der Neurologie, auch wenn 2010 aufgrund des Streiks an Akutkrankenhäusern ein Minus beschert hatte. "Nur mit Orthopädie und Kardiologie wären wir nicht überlebensfähig gewesen. Jetzt sind wir in einem Markt aktiv, der Bestand haben wird."

Neue Arbeitsplätze sind für die Neurologie dazugekommen. Von 145 Vollzeitstellen ist der Bedarf auf 220 Stellen gewachsen. Zufrieden ist Kull damit, dass das Zentrum sowohl für die Unfall- als auch für die Neurologie die Zulassung der Unfallversicherung bekommen hat. "Das macht rund zehn Prozent der Belegung aus. Bis zu 20 Patienten im Schnitt übers Jahr verteilt."

 

Ambulante Reha Auch die neu dazugekommene ambulante Rehabilitation in der Orthopädie sieht Volker Kull auf gutem Weg. "Wir behandeln 25 Patienten am Tag und wollen auf 40 erhöhen." Bevor es im Oktober in Bad Säckingen losgeht, hat sich Kull eine private kleine Kur verschrieben: Urlaub auf Usedom. Ganz wichtig ist dabei, viel Zeit in der Natur zu verbringen und die richtige Lektüre im Gepäck. Gern Dostojewski oder Hesse. "Und ab und zu ein Buch über Managementmethoden, damit ich was zu lachen habe."

 

Heilbronner Stimme: Petra Müller-Kromer