RHEUMA-FORSCHUNG AM
SRH WALD-KLINIKUM GERA

Neugier, Leidenschaft, Ausdauer. Einblicke in einen kreativen Prozess.

Künstler kennen ihn. Forscher kennen ihn. Den magischen Moment, in dem die Muse zwinkert. Festhalten? Keine Chance, schon ist sie auf und davon. Zurück bleibt ein vages Versprechen. Auf einen Roman, der rund ist, ein Studienmodell, das innovativ ist – oder, wie im Fall von Joachim Böttcher, auf ein Forschungsprojekt, das seinen Patienten hilft.

Der Radiologe ist gerade auf einem Rheuma-Kongress, als er etwas entdeckt: Eine dänische Firma präsentiert ein neues Gerät, um bei Frauen nach der Menopause die Knochenmineraldichte zu messen. Dadurch lässt sich Osteoporose frühzeitig erkennen. Früherkennung? Knochenmineraldichte? Da klingelt etwas! Seine Neugier ist geweckt.

Zu dieser Zeit wertet Prof. Dr. Böttcher Röntgenaufnahmen von Rheuma-Patienten aus. Bei der Bildvisite stellt er sie seinen Kollegen vor. Er weiß: Bei einer rheumatoiden Arthritis verringert sich die Knochenmineraldichte. Die Gelenkspaltweite verändert sich. Und die Entzündungswerte im Körper steigen. Er weiß auch: Je früher Rheuma diagnostiziert wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten.

Der Kongresstag endet mit einer Vision, die Böttcher nicht mehr loslässt: Rheuma mittels neuem Bildgebungsverfahren kurz nach Krankheitsbeginn zu erkennen.

Röntgen, auswerten. Röntgen, auswerten. Immer wieder. Jetzt muss getestet werden, ob die Methode reproduzierbar ist. Dafür verändern die Forscher verschiedene Parameter: Kontrast und Helligkeit des Bildes, die Position der Hand. Die Ergebnisse bleiben gleich. Ein erstes Aufatmen. Dann die zweite Hürde: der Methodenvergleich. Das neu entwickelte Verfahren muss sensitiver sein als die bereits bestehenden. Nur so kann es sich klinisch etablieren. Das Ergebnis? Ein Volltreffer. Glücksgefühle.

Fünf Jahre dauert es, bis sich die Gewissheit einstellt: Das Forschungsprojekt ist ein Erfolg, findet international Anerkennung. Ärzte können Rheuma noch früher diagnostizieren. Sie sehen genau, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist und ob die Therapie den gewünschten Effekt hat.

Das verbessert die Lebensqualität der Patienten – und die der Ärzte, die forschen, um genau das zu erreichen. Manchmal hilft ein klein wenig Inspiration. In Prof. Dr. Böttchers Fall hat die Muse ihr Versprechen gehalten.