BERUFLICHES TRAINING IN WIESLOCH

Fähigkeiten schärfen, Wissen entwickeln – für den Neustart

Was würden Sie tun, wenn Sie noch einmal neu anfangen könnten? Diese Frage stellt Thomas Mayer ziemlich oft. Sein Ziel: Menschen nach einer Krise beruflich weiterzubringen. Dafür braucht er den Mut, nach ungewöhnlichen Lösungen zu forschen. Mancher Einfall erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Wie der, einen absoluten Kopfarbeiter an die Werkbank zu stellen.

Thomas Mayer unterstützt am Beruflichen Trainingszentrum (BTZ) Rhein-Neckar Menschen dabei, nach einer psychischen Erkrankung wieder einzusteigen. „In dieser Situation wissen viele nicht, was sie noch leisten können. Sie müssen ihre Stärken und Fähigkeiten erst neu aktivieren – ohne in alte Muster zu fallen“, sagt der berufliche Trainer.

Für einen erfolgreichen Neuanfang braucht es eine Vorstellung, wo es hingehen kann. Und das seelische Rüstzeug, diesen Weg zu meistern. Aus dieser Erfahrung hat das BTZ eine doppelte Unterstützung entwickelt. Jeder Teilnehmer bekommt einen beruflichen Trainer und einen psychosozialen Mitarbeiter an die Seite. „Wie in einem Tandem setzen wir gemeinsam Impulse und bringen die Teilnehmer und uns voran“, sagt Pädagogin Dagmar Krüger.

Bei Heiner Roth (Name geändert) führt dieser Weg über die Werkstatt. Eigentlich war der 55-Jährige mit Leib und Seele Qualitätsprüfer. Ein Schicksalsschlag kostete ihn den Job, er verlor jeden Halt. Seine Frau reichte die Scheidung ein. Bald waren Geld und Haus weg. Eine Depression warf ihn auf existenzielle Fragen zurück.

„Seine Grenzen zu kennen, ist wichtig. Wie können Sie sich denn im Arbeitsalltag abgrenzen?“, will Dagmar Krüger wissen. Heiner Roth verschränkt die Finger seiner großen Hände, hebt den Blick. „Ich muss klar nein sagen, wenn es zu viel wird.“

„Und wie schaffen Sie das konkret?“, schiebt die Pädagogin direkt nach. Heiner Roth überlegt. Die Antwort darauf fällt ihm erst schwer. Aber sie ist ein entscheidender Schritt in ein gesundes Arbeitsleben.

Im Gespräch mit Psychologen oder Sozialpädagogen lernen die BTZ-Teilnehmer, wie sie den Alltag gesund bewältigen. Für Heiner Roth heißt das: Sich nicht zu viel zuzumuten. Seine hohe Motivation als Stärke zu begreifen, nicht als bloßen Antrieb im Hamsterrad. Dieses Wissen nimmt er ins praktische Training mit.

Wer seine Fähigkeiten neu begreifen will, muss die Hände benutzen, ist Thomas Mayer überzeugt. Manche Teilnehmer haben noch kein klares Berufsbild vor Augen. Mit ihnen entwickelt er in der Werkstatt des BTZ individuelle Aufgaben. „Heiner Roth war sich nicht sicher, ob Kopfarbeit noch zu ihm passt. Also haben wir etwas Handwerkliches ausprobiert.“

Heiner Roth baut Schachbretter. Seine Hände gleiten über das Holz, legen helle und dunkle Streifen abwechselnd nebeneinander. Immer wieder schneiden, kleben, schleifen. Nach und nach optimiert er die Arbeitsschritte. Daraus entstehen Qualitätskriterien für ein optimal gefertigtes Brett. „Plötzlich merke ich: Qualitätsprüfung ist nach wie vor mein Ding!“

Mit dieser Erfahrung wagt er den Sprung in ein Praktikum. Dort lernt er, sich zu behaupten. Und dass die Arbeit wieder Spaß macht.

„Die Fortschritte und Ergebnisse des Trainings werten wir objektiv aus. So entstehen weitere Ideen“, sagt Dagmar Krüger. Damit noch mehr Menschen der Neuanfang gelingt.