Akademisierung der Gesundheitsberufe



Logopädie studieren? Das geht?!

Stellen Sie sich vor, Sie wachen eines Morgens auf und sind wie verwandelt. Sie liegen auf dem Rücken, Ihre rechte Seite ist unbeweglich. Sie können nicht aufstehen. Ihre Familie steht um Sie herum. Sie erklären, was los ist, aber niemand versteht Sie. Obwohl Sie wissen, was Sie sagen wollen, sprechen Sie Kauderwelsch. Sie hatten einen Schlaganfall. Die Sprachstörung, Aphasie genannt, ist eine mögliche Folge. Gut, wenn dann ein Logopäde übernimmt. Er hilft Ihnen auf der Suche nach den verschütteten Wörtern und Sätzen in Ihrem Kopf.

Die Anforderungen an Logopäden steigen. Durch die immer komplexeren Störungsbilder müssen sie evidenzbasiert arbeiten. Das bedeutet: Für die Behandlung der Krankheiten ist eine wissenschaftliche Reflexion unverzichtbar.

In vielen Ländern ist deshalb eine akademische Ausbildung in Gesundheitsberufen Standard. In Deutschland hält sie erst nach und nach Einzug. Für Studiengangsleiterin Prof. Dr. Claudia Wahn eine Entwicklung, die längst überfällig ist: „Die Logopädie ist kein Handwerksberuf. Wissenschaftliche Erkenntnisse über Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten können nicht allein in der Ausbildung erlernt werden.“

Deshalb erlebt die Logopädie an der SRH seit 2011 einen akademischen Wandel: Die praxisorientierte Ausbildung wird mit einem Studium kombiniert. Dafür hat die SRH Hochschule für Gesundheit Gera das Modell des ausbildungsintegrierenden Studiums gemeinsam mit den SRH Fachschulen entwickelt. Das Besondere hierbei: Studenten können zwei Abschlüsse erlangen – den Abschluss zum staatlich anerkannten Logopäden und den Bachelor of Science in Logopädie.

Der Vorteil: Studenten werden theoretisch und praktisch auf die künftigen Anforderungen vorbereitet. Die Zusammenarbeit zwischen Logopäden und Ärzten wird immer wichtiger – für eine noch bessere Versorgung der Patienten. Nur so können diese ihre Sprache wiederfinden. Klartext statt Kauderwelsch – das ist das Ziel.

Bereits im zweiten Semester therapieren die Studenten Patienten. Einen Einblick in den Berufsalltag bietet zudem die enge Verzahnung mit Praxen, Kliniken und Rehabilitationszentren. Nach ihrer Abschlussarbeit, die Studenten in Kooperation mit einem Krankenhaus schreiben können, werden sie bestenfalls direkt übernommen. Oder sie machen sich selbstständig mit einer eigenen Praxis. Der nächste Schritt in der Akademisierung von Gesundheitsberufen sind weiterführende Studiengänge – damit sich auch die Türen zu Forschung und Lehre an Hochschulen öffnen.